Die Geschichte des Korsetts

5. Männer im Korsett

Abb.14: Minoer mit eng gegürteter Taille, Wandmalerei ca. 1600 v.CH

Das Korsett wurde, wie oben beschrieben, zum Inbegriff des weiblichen Kleidungsstücks. Es gab jedoch immer wieder Phasen, in denen auch das männliche Schönheitsideal eine schmale Taille beinhaltete. Und auch Männer verwendeten Korsetts, bzw. korsettähnliche Hilfsmittel, um schlanker zu wirken.

So fand man Wandmalereien der Kretisch-Minoischen Kultur, die junge Männer mit eng gegürteten Taillen darstellen - so eng, dass man von einer Schnürung von Kindesbeinen an ausgeht (Reclams Mode- & Kostümlexikon S. 217). (s. Abb. 14Abb. 14 Minoer mit eng gegürteter Taille, Wandmalerei ca. 1600 v.CH)

Im 16. und 17. Jahrhundert trugen Männer den stark versteiften, wattierten Wams oder Gänsebauch, der zwar nicht besonders stark taillierte, aber dennoch durch enges Schnüren den Oberkörper modelliert. Aus ihm ging die weibliche Schnürbrust als Variante hervor.

Zu Beginn des 19. Jahrhundert schließlich war die Männermode so körpernah geworden, dass viele Männer die schlanke Linie durch eine Leibbinde unterstützten. Diese Leibbinden waren lange nicht so starr und steif wie die weiblichen Korsetts, da sie nicht die Kurvigkeit des weiblichen Körpers bändigen mussten. Aus ihnen wurden dann etwa 1820 der Schnürleib der Dandys und Modegecken.

Abb.15: Modegecken mit geschnürter Taille ca. 1830

Sie reduzierten ihre Taille ebenso wie die Damen, um die modischen Sand-uhrensilhouette des 19. Jahrhunderts zu perfektionieren. (s. Abb.15Abb. 15 Modegecken mit geschnürter Taille ca. 1830 )

Desweiteren trugen "alternde Männer um die 50 " (Zur Geschichte der Unterwäsche S. 110) häufig Korsett. Denn "... in diesem Alter wird das Liebesfieber zu einem schorfigen Laster, das keine Anstrengungen scheuen lässt, der schöne, verführerische Mann zu bleiben."( Zur Geschichte der Unterwäsche S. 110) wie Honoré de Balzac es in einem seiner Romane beschreibt.

Ebenso trugen vereinzelt auch Geschäftsmänner Korsetts, denn dieses verhalf ihnen zu einer straffen, aufrechten Figur und Körperhaltung, die ihnen auf dem Weg zum Erfolg hilfreich war. Offiziere verschiedener Armeen - besonders der Preußischen und Österreichischen - sollen bis ins beginnende 20.Jahrhundert korsettiert gewesen sein und damit einem schneidigen Aussehen nachgeholfen haben (Zur Geschichte der Unterwäsche S. 148).
Ob dies der Realität entsprach oder ob die vorhandenen Berichte - insbesondere im Zusammenhang mit detailgenauen Beschreibungen von Uniformen - nicht fetischistischen Ursprungs sind, lässt sich heute kaum sagen (Mode, Sex & Macht S. 80-81).

Abb.16: Inserat für Madam Dowdings Männerkorsetts 1899

Beispiele beschreiben allesamt Männer, die das Korsett als maskulines, zweckdienliches Kleidungsstück trugen. Daneben gab es jedoch bereits im 18. Jahrhundert männliche Korsettträger, die dieses in fetischistischem oder sadomasochistischen Kontext trugen. Auch der naheliegende Verdacht des Transvestismus, den wir - klischeehaft betrachtet - von einem korsettieten Mann haben, war in einigen Fällen zutreffend. Diese Männer verwendeten dann jedoch eher Frauenkorsetts (Mode, Sex & Macht S. 77-82).
Insgesamt lassen sich nur sehr wenig Quellen über Männerkorsetts finden. Dies verweist zum einen auf eine mäßige Verbreitung, zum anderen lässt es auf eine geringe gesellschaftliche Akzeptanz - und damit verbundene Dokumentation - schließen

Diplomarbeit Tonia Merz,
FHTW Berlin 2001

Diplomarbeit Tonia Merz - FHTW Berlin

Die Geschichte des Korsettes

  1. Das Korsett im Wandel der Zeit
  2. Renaissance 1500 - 1620
  3. Barock & Rokoko 1640- 1775
  4. Das industrielle Zeitalter 1820 - 1910
  5. Männer im Korsett

Die Rolle des Korsetts im 21. Jhd.

  1. Gesellschaftliche Veränderungen
  2. Der Wandel der Geschlechterrollen
  3. Typisierung verschiedener Korsettträger
  4. Resumee

Schlüsselreiz Taille

  1. Soziobiologische Faktoren
  2. Soziokulturelle Faktoren

Anhang

  1. Literaturverzeichnis
  2. Abbildungsverzeichnis
  3. Copyright-Vermerk - Disclaimer